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„Raus“ le suisse-allemand! Welcher (Pausen-)Platz für das Schweizerdeutsche?

„Raus“ le suisse-allemand! Welcher (Pausen-)Platz für das Schweizerdeutsche?

Zweisprachige Podiumsdiskussion zum Fremdsprachenunterricht (F-D) des Instituts für Mehrsprachigkeit. Videokonferenz (09.11.2020)

Viele Rahmendokumente und Lehrpläne formulieren pädagogische Ziele im Bereich der Unterstützung und Förderung der sprachlichen Vielfalt in der Schule. Gleichzeitig wird in der Deutschdidaktik in der Deutschschweiz wie auch in sprachenrechtlichen Grundlagentexten ein Faktor sprachlicher Vielfalt, das Schweizerdeutsche, explizit oder implizit zurückgebunden. In den Genfer Schulen dagegen wird im Rahmen des Deutschunterrichts auch das Schweizerdeutsche thematisiert. Welchen Platz sollen die Dialekte in einer mehrsprachigen Schule in den verschiedenen Landesteilen einnehmen? Sollten sie systematisch(er) unterrichtet werden oder sollte die Standardsprache klar priorisiert werden? Was können wir aus den Debatten rund um Schule und Schweizerdeutsch über Schulsprachenpolitik lernen?

Silvia Naudin (enseignante & DIP Genève) | Walter Rützler (PHZH) | Ingo Thonhauser (HEPVD) | Katharina Schärer (Primarschullehrerin, Kanton AG) Modération: Raphael Berthele (IdP)

Eine Publikation, 4 Sprachen … und eine Fülle an didaktischen Materialien per l’italiano!

Eine Publikation, 4 Sprachen … und eine Fülle an didaktischen Materialien per l’italiano!

4 Fliegen mit einer Klappe ist soeben beim Verlag Salvioni erschienen. Dieses ungewöhnliche viersprachige Buch besteht aus einem Strauss an französischen, deutschen, italienischen und rätoromanischen Redewendungen. Begleitet von originellen Illustrationen vermittelt diese Publikation einen unterhaltsamen und witzigen Einblick in die schweizerische Mehrsprachigkeit. Darüber hinaus stehen didaktische Arbeitsblätter für den Unterricht von Italienisch als Fremdsprache kostenlos zur Verfügung. Das CeDiLE gibt einen kurzen Überblick über dieses eklektische Projekt.

Man nehme zuerst ein Dutzend Sprachwissenschafter*innen sowie zwanzig Didaktiker*innen, füge ungefähr die gleiche Menge talentierter Schweizer Illustrator*innen bei (etwa Kati Rickenbach, ALEXIA, Peter Gut, Felix Schaad und SWEN für die Deutschschweiz), rühre diesen Fonds mit Bundes- und institutionellen Subventionen an und vergesse nicht, der gelehrten Mischung eine Prise mehrsprachigen helvetischen Patriotismus’ beizugeben. Dann lasse man das Ganze während einiger Jahre köcheln, verfeinere es durch einen Farbdruck und geniesse das Ergebnis: ein köstliches viersprachiges Buch (Französisch, Deutsch, Italienisch und Rätoromanisch), in dem auf 280 Seiten der Ursprung und die Bedeutung von Redewendungen mit viel Humor und Scharfsinn entschlüsselt werden! Das Buch und die dazugehörende Webseite sind nicht nur eine Gelegenheit, die vierseitige Mehrsprachigkeit der Schweiz zu feiern, es handelt sich auch um eine Aktion zur Förderung des Italienischunterrichts.

Von der Förderung des Italienischen zum mehrsprachigen und interkulturellen Dialog

4 Fliegen mit einer Klappe ist das Ergebnis einer langen Zusammenarbeit von Personen mit unterschiedlichem sprachlichem, kulturellem und beruflichem Hintergrund. Die Idee zu dieser literarischen und pädagogischen Mixtur entstand zwischen 2013 und 2018 anlässlich der durch die Schweiz ziehenden Veranstaltungsreihe „Settimana della Svizzera italiana‟, die von der Università della Svizzera italiana organisiert wurde. Nicole Bandion, die für das Projekt verantwortlich zeichnet, erklärt in der Einleitung zum Buch den Leitgedanken, nämlich Redewendungen zu entdecken, die Bilder verwenden, welche in den einzelnen Landessprachen radikal unterschiedlich sein können. Bundesrat Ignazio Cassis hat diese konzeptionellen Unterschiede offensichtlich selbst erlebt, denn er erklärt im Vorwort, dass die sieben Weisen ganz verschiedene Worte benutzen, um dieselbe Idee auszudrücken:

Wenn uns eine Sache nichts angeht, spreche ich von Kohlköpfen («Non sono cavoli nostri»), die Bundesräte Berset und Parmelin greifen auf Zwiebeln zurück («C’est pas nos oignons »), während die Bundesrätinnen Amherd, Keller-Sutter und Sommaruga sowie Bundesrat Maurer Bier ins Spiel bringen («Das ist nicht unser Bier»). Dank diesem Buch erfahren wir ausserdem, dass man auf Rätoromanisch auf das Einmaleins zurückgreift!

Ignazio Cassis, https://quadrilingues.ch/ (abgerufen am 27.10.2020)

Es geht also nicht einfach darum, Bilder zu präsentieren, die diesen vier Sprachen gemeinsam sind, sondern vielmehr darum zu veranschaulichen, wie vielfältig die Konzepte sind, die die jeweiligen Landessprache prägen, bis hin zu unübersetzbaren Exoten wie „Abbiamo fatto 30, facciamo 31‟ („Wir haben 30 gemacht, machen wir 31‟, Nr. 16) oder „Y a pas le feu au lac‟ („Es hat kein Feuer im See‟, Nr. 44). Und sollten Sie auf Italienisch, Rätoromanisch oder (Schweizer-)Deutsch nur Bahnhof verstehen: Alles kein Problem! Sprachwissenschaftler*innen haben amüsante und dennoch wissenschaftliche Erklärungen in allen vier Sprachen zu Papier gebracht. Das Endprodukt ist äusserst gut dokumentiert und der Druck von schöner Qualität, sodass die Texte und Illustrationen leuchten können.

Gehaltvolle und vielseitige Ressourcen für den Italienischunterricht

Die Website ergänzt das Buch mit zahlreichen Arbeitsblättern für den Unterricht von Italienisch als Fremdsprache. Diese didaktischen Materialien für die Primar-, Sekundarstufe 1 und 2 wurden von Didaktiker*innen der Pädagogischen Hochschule Graubünden (PHGR) und derjenigen des Tessins (SUPSI) erstellt. Sie umfassen Aktivitäten, die auf den italienischen Redewendungen des Buches basieren und auf spielerische Weise die Kommunikationsfähigkeiten fördern. In den Erklärungen für die Lehrerinnen und Lehrer wird nicht um den heissen Brei herumgeredet: Sie sind klar geschrieben und enthalten Hinweise oder Anpassungen an die Lehrpläne der West- und der Deutschschweiz. Sie können kostenlos als PDF heruntergeladen werden und sind für typische Aktivitäten im Klassenzimmer geeignet. Man mag ein wenig den Mangel an Interaktivität zwischen dem Inhalt dieser PDF-Dokumente und den im Internet verfügbaren Ressourcen bedauern, doch Italienischlehrer*innen werden die Vielfalt, den Humor und die Stimmigkeit der vorgeschlagenen Aktivitäten zu schätzen wissen.

Gehen Sie für einige Appetithäppchen auf die Website www.viersprachig.ch. Dort finden Sie ausserdem noch interaktive Medieninhalte in allen vier Sprachen („Bereich Sprachen‟), etwa Aufnahmen aller sechs rätoromanischen Idiome sowie weitere dialektologische Kleinode aus dem Italienischen, Französischen und Schweizerdeutschen.

Hat Sprachaustausch einen Einfluss auf das Sprachenlernen in der Primarschule ?

Hat Sprachaustausch einen Einfluss auf das Sprachenlernen in der Primarschule ?

In der Schweiz gibt es sie schon seit sehr langer Zeit, aber über die Auswirkungen von Sprachaustausch auf das Lernen ist dennoch wenig bekannt. Ein Team der PHSG (HEP St. Gallen) hat vor Kurzem eine faszinierende Studie zu diesem Thema veröffentlicht. Das CeDiLE bietet einen Überblick über die Ergebnisse und befragte zwei beteiligte Lehrpersonen.

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