In dieser Ausgabe widmet sich Babylonia zum ersten Mal den Gebärdensprachen in der Schweiz und in Nachbarländern. Wir möchten diese Thematik aus verschiedenen Perspektiven behandeln und der Diskussion von politischen, rechtlichen, linguistischen, pädagogischen und sprachdidaktischen Fragen Raum geben. Die UNO Convention on the Rights of Persons with Disabilities erwähnt das Recht auf Gebrauch der Gebärdensprache, die auch in den EU Mitgliedsstaaten mit wenigen Ausnahmen offiziell anerkannt ist (vgl. auch Grosjean 1999). In der Schweiz ist dies auf Bundesebene noch nicht der Fall. Wir sind daher daran interessiert, diese sprachenpolitische Dimension als Thema in diese Aufgabe aufzunehmen.
Boyes Braem (2024) diskutiert in ihrer ausführlichen Darstellung zur Situation der drei Gebärdensprachen und ihrer Varietäten in der Schweiz auch die Frage nach dem gesellschaftlichen Status der Gebärdensprachen. Mugnier (2023) setzt sich aus soziolinguistischer Perspektive mit dem sprachpolitischen, pädagogischen und sozialen Umgang mit Gebärdensprachen im frankophonen Raum auseinander und zeigt, dass hier das sprachliche Anders-Sein von Gehörlosen Fragen, die wir aus kontroversen Diskussionen zur Mehrsprachigkeit kennen, vielleicht noch prägnanter auf den Punkt bringt.
Beide gehen auch kurz auf den Erwerb und das Erlernen von Gebärdensprachen ein, ein Thema, das für diese Ausgabe ebenfalls zentral ist. Gebärdensprachen sind Teil des i.d.R. mehrsprachigen Repertoires von Gehörlosen und dies wirft didaktische Fragestellungen auf, die in der Literatur zunehmend diskutiert werden. Die erweiterte Ausgabe des GER (Conseil de l’Europe 2021) enthält Deskriptoren zu Gebärdensprache und Ansätze zu einer spezifischen Didaktik (Geffroy/Leroy 2018, Grote, Sieprath, Staudt 2018) sowie zur Ausbildung von Lehrer:innen (Buregat/Drouillet/Perini 2021).
Wir sind daher an Beiträgen zu folgenden Themenschwerpunkten interessiert:
- Anerkennung von Gebärdensprachen/Recht auf Gebärdensprache? Status der Gesetzgebung, Initiativen, Beiträge aus anderen Ländern, Gebärdensprachen in der inklusiven Schule.
- Gebärdensprachen und -varietäten in den Sprachregionen der Schweiz
- Ausbildung von Lehrer:innen
- Gebärdensprachen lehren und lernen: didaktische Konzepte und Herausforderungen, Blick in andere Bildungskontexte (z.B. Frankreich, Deutschland, Österreich, Italien),
- Gebärdensprache: Erwerb, Zweisprachigkeit, bikulturelle Identität von Gebärdensprachlerner:innen/-sprecher:innen, Immersion
- Als Hörende:r Gebärdensprache(n) lernen: spezifische Herausforderungen (z.B. räumliche Denkweise, auditive vs. visuell-gestische Modalität, turn taking in Gebärdensprachen …)
Wir sind offen für weitere Vorschläge.
Empirische Beiträge (z.B. Forschungsprojekte), praktische Beiträge (Unterrichtsmaterialien, Übungen, bewährte Vorgehensweisen usw.) sowie Stellungnahmen zum Thema (Positionspapiere, Interviews usw.) sind willkommen. Babylonia bevorzugt eine klare und leicht verständliche Sprache. Länge der Artikel: 16’000 bis 20’000 Zeichen (4 bis 5 Seiten).
Bitte beachten Sie die Checkliste für Beitragseinreichungen und verwenden Sie das Stylesheet.
Bitte reichen Sie Ihr Abstract (max. 2’000 Zeichen, inkl. Leerzeichen) in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch oder Rätoromanisch bis zum 1. August 2026 an ingo.thonhauser@hepl.ch, und/oder karine.lichtenauer@unifr.ch ein.
Fristen – Ausgabe 2/2027
- Einreichung der Abstracts: 1. August 2026
- Rückmeldung zur Annahme/Ablehnung der Beiträge: Oktober 2026
- Einreichung der Beiträge: 31. Dezember 2026
- Rückmeldungen zum Artikel
- Abgabe der definitiven Version: 1. Mai 2027
- Copy-editing und Layout
- Veröffentlichung: August 2027
Bibliographische Angaben
Boyes Braem, P. (2024). Gebärdensprachen. In E. Glaser, J. Kabatek, & B. Sonnenhauser (Eds.), Sprachenräume der Schweiz Band 1: Sprachen (pp. 185-208). Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG.
Burgat, S., Drouillet, J., & Perini, M. (2021). Former les enseignants de LSF du second degré: regard sur cinq années d’expérience. Les Langues modernes. Dossier: Enseignement et apprentissage des Langues de Signes: perspectives historiques, sociales et linguistiques 115(1), 42-50.
Conseil de l’Europe (2020). Cadre européen commun de référence pour les langues : apprendre, enseigner, évaluer. Volume complémentaire. Council of Europe.
Geffroy, V., & Leroy, É. (2018). La didactique de la langue des signes française TIPA. Travaux interdisciplinaires sur la parole et le langage(34). https://doi.org/10.4000/tipa.2653
Grote, K., Sieprath, H., & Staudt, B. (2018). Deaf Didaktik? Weshalb wir eine spezielle Didaktik für den Unterricht in Gebärdensprache benötigen. DAS ZEICHEN, 110, 2-13.
Grosjean, F. (1999). The right of the deaf child to grow up bilingual. Deaf Worlds, 15(2), 29-31.
Mugnier, S. (2023). Surdité(s), langue(s) et altérité (s) : (RE)constructions des altérités linguistiques. Glottopol(39). https://doi.org/10.4000/glottopol.3808
Timmermans, N. (2005). Le statut des langues des signes en Europe. https://www.fzgresearch.org/deutsch/index.html
