Se trouver face à ses limites lorsqu’on communique ou apprend une langue ? Qu’est-ce que cela signifie vraiment ? Et que se passe-t-il lorsque ces limites ne sont plus considérées uniquement comme des obstacles, mais comme des espaces de transition ?
Nina Hellinger, enseignante au degré secondaire et étudiante à l’Institut de plurilinguisme, se penche sur ces questions à travers l’exemple de la RING 2025-26 « Limes » (du latin : frontière). Elle présente les différents événements et dévoile le diaporama qu’elle a conçu à cette occasion : un format innovant qui invite à de nouvelles réflexions et à de nouvelles idées pour l’enseignement.
Von Nina Hellinger
Im Studienjahr 2025/2026 besuchte ich im Rahmen der Ringveranstaltung sechs Gespräche mit Fachpersonen. Dabei traf jeweils eine wissenschaftliche Perspektive auf die Sicht einer Person, die aufgrund ihrer persönlichen oder beruflichen Erfahrungen mit dem jeweiligen Thema vertraut war. Die behandelten Themen waren sehr vielfältig, hatten jedoch alle einen Bezug zum Sprachenlernen und -wiedererlernen sowie zum Unterrichten und Evaluieren von Sprache. In meiner Sekundarschule und am Institut für Mehrsprachigkeit habe ich die Fachdiskussionen immer wieder mit meinem eigenen Unterricht verknüpft. Dabei wurde mir bewusst, wie eng Sprachenlernen mit Identität, Teilhabe, Normen, institutionellen Erwartungen und persönlichen Biografien verbunden ist. Der Titel der Ringveranstaltung «Limes» wurde für mich deshalb zu einem roten Faden: nicht als starre Grenze, sondern als Übergangsraum, in dem Unterschiede sichtbar werden, Begegnungen stattfinden und neue Wege entstehen können.
Die Gespräche der RING, die sechs Beispiele, welche sechs Grenzen von unterschiedlicher Natur zum Thema Sprache beleuchten, eröffneten dabei sehr unterschiedliche Perspektiven auf Sprache. Sie zeigten mir, dass Sprache weit mehr als ein abstraktes System ist: Sie wird erlebt, gelernt, weitergegeben, bewertet, verloren, verteidigt und manchmal auch neu erfunden.
Rätoromanisch in der Deutschschweiz weitergeben – RING 1
Im Gespräch über Rätoromanisch und seine verschiedenen Varietäten wurde deutlich, dass die Weitergabe einer Minderheitensprache ausserhalb ihres Sprachgebiets keine Selbstverständlichkeit ist – besonders dann, wenn Kinder wenig Motivation dafür zeigen. Die Idee der rätoromanischen «Inseln» verdeutlicht, wie wichtig kleine Schutz- und Begegnungsräume für Minderheitensprachen sind. Gleichzeitig überzeugte mich das Bild des «Schiffs»: Sprache muss aktiv weitergetragen und immer wieder an neue Bedingungen angepasst werden. Der Limes liegt hier zwischen Herkunft und Gegenwart, emotionaler Bindung und praktischem Aufwand.
Gebärdensprachen: Sprache anders denken – RING 2
Die Auseinandersetzung mit Gebärdensprachen hat meinen eigenen Sprachbegriff erweitert. Gebärdensprachen sind eigenständige visuell-räumliche Sprachen mit eigener Grammatik. Besonders beschäftigt hat mich die Frage, wie sprachliche Kompetenzen fair beurteilt werden können, wenn Prüfungsmodelle hauptsächlich für Lautsprachen entwickelt wurden. Hier zeigt sich ein institutioneller Limes: Was als sprachliche Kompetenz wahrgenommen und anerkannt wird, hängt auch davon ab, welche Formen von Sprache eine Institution kennt und in ihren Strukturen berücksichtigt.
Akzent, Norm und Verständlichkeit – RING 3
Beim Thema Akzent, Theater und Schule stand für mich die Grenze zwischen sprachlicher Norm und Verständlichkeit im Zentrum. Für meinen eigenen Unterricht nehme ich daraus mit, dass eine Abweichung von einer sprachlichen Norm nicht automatisch ein Defizit bedeutet. Entscheidend ist zunächst, ob Kommunikation gelingt. Normen verlieren dadurch nicht ihre Bedeutung, sollten jedoch reflektiert und nicht vorschnell mit Kategorien wie «richtig» und «falsch» gleichgesetzt werden.
Sprachenlernen im Homeschooling: zwischen Freiheit und Struktur – RING 4
Die Folge zum Homeschooling machte eine andere Spannung sichtbar: jene zwischen selbstbestimmtem Lernen und notwendigen Rahmenbedingungen. Begeisterung, Beziehung und intrinsische Motivation können das Sprachenlernen wesentlich unterstützen. Gleichzeitig verfügen nicht alle Kinder und Familien über dieselben zeitlichen, sozialen oder materiellen Ressourcen. Schule kann deshalb nicht nur als Einschränkung verstanden werden, sondern auch als Ort, der Zugänge ermöglicht und Lernmöglichkeiten absichert. Der Limes verläuft hier zwischen Freiheit und Struktur – und macht deutlich, dass beides für erfolgreiches Lernen eine Rolle spielen kann.
Aphasie: Wenn Sprache nicht selbstverständlich verfügbar ist – RING 5
Besonders berührt hat mich das Gespräch über Aphasie nach einem Schlaganfall. Sprachverlust bedeutet keineswegs den Verlust von Denken, Persönlichkeit oder Intelligenz. Trotzdem können im Alltag zahlreiche soziale Barrieren entstehen, etwa durch Zeitdruck, Ungeduld oder falsche Zuschreibungen. Bei mehrsprachigen Menschen stellt sich zusätzlich die Frage, welche Sprachen in der Rehabilitation berücksichtigt oder priorisiert werden. Dadurch wird besonders deutlich, wie eng Sprache mit der eigenen Biografie, Identität und emotionalen Zugehörigkeit verbunden ist.
Unterschiede artikulieren – mehrsprachige Kinder in der logopädischen Therapie – RING 6
Auch bei der logopädischen Arbeit mit mehrsprachigen Kindern zeigte sich ein wichtiger Limes: die Grenze zwischen einer tatsächlichen Sprachentwicklungsstörung und einer geringeren Exposition gegenüber der Schulsprache. Wird bei einer Beurteilung nur eine Sprache betrachtet, kann ein mehrsprachiges Kind schnell als defizitär erscheinen. Die Grenze liegt dann möglicherweise weniger im Kind selbst als vielmehr in den verwendeten Testinstrumenten, institutionellen Erwartungen oder verfügbaren Ressourcen. Für Schule und Unterricht bedeutet dies, sprachliche Leistungen nie losgelöst von der gesamten Sprachbiografie eines Kindes zu beurteilen.
Eine Diashow als Transmedia Story mit vertiefenden Einblicken
Aus der vertieften Auseinandersetzung mit diesen sechs Gesprächen entstand mein Padlet als persönliche Transmedia Story. Digital Storytelling bezeichnet das Erzählen und Vermitteln von Inhalten mithilfe digitaler Medien. Bei einer Transmedia Story wird ein Thema nicht ausschliesslich in einem einzelnen Format dargestellt, sondern über unterschiedliche Medien hinweg weiterentwickelt. Mein Padlet verbindet deshalb Zusammenfassungen und persönliche Reflexionen mit Mindmaps, Videos, Audios, Studien, Medienbeiträgen und weiterführenden Links.
Ein Padlet ist eine digitale Pinnwand, auf der unterschiedliche Inhalte und Medien gesammelt, strukturiert und miteinander verknüpft werden können. Genau darin liegt für mich sein Mehrwert: Leserinnen und Leser müssen die RING nicht besucht haben, um einzelne Themen aufzugreifen und weiterzuverfolgen. Wer sich beispielsweise für Mehrsprachigkeit in der Logopädie, Gebärdensprachen oder sprachliche Normen interessiert, kann gezielt bei einem Thema einsteigen und von dort aus weitere Materialien entdecken.
Das Padlet soll deshalb nicht lediglich dokumentieren, was im Rahmen einer Lehrveranstaltung entstanden ist. Vielmehr möchte es neugierig machen und zum Weiterdenken anregen. Lehrpersonen können darin Impulse für den eigenen Unterricht finden, Fremdsprachendidaktikerinnen und Fremdsprachendidaktiker unterschiedliche Perspektiven auf Sprache miteinander in Beziehung setzen und weitere Interessierte einzelne Themen anhand der verlinkten Studien und Medienbeiträge vertiefen.
» Sprache betrifft Identität, Teilhabe und gesellschaftliche
Fragen. Gerade deshalb lohnt sich auch für andere ein Blick
in das Padlet: Es eröffnet Perspektiven, die im
Unterrichtsalltag leicht aus dem Blick geraten können.
Der Begriff «Limes» verbindet die unterschiedlichen Beiträge miteinander. Immer wieder geht es um Grenzen – zwischen Sprachen, Normen, Institutionen, Körpern oder gesellschaftlichen Erwartungen – und gleichzeitig um die Frage, wie diese Grenzen hinterfragt, verschoben oder überschritten werden können.
Für mich hat die Auseinandersetzung mit der RING einmal mehr gezeigt, dass Fremdsprachenunterricht weit über Grammatik und Wortschatz hinausgeht. Sprache betrifft Identität, Teilhabe und gesellschaftliche Fragen. Gerade deshalb lohnt sich auch für andere ein Blick in das Padlet: Es eröffnet Perspektiven, die im Unterrichtsalltag leicht aus dem Blick geraten können, bietet Materialien zur weiteren Auseinandersetzung und lädt dazu ein, die eigenen Vorstellungen davon zu hinterfragen, was als «gute», «richtige» oder «normale» Sprache gilt. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen hat mich darin bestärkt, Fremdsprachenlehrmittel noch bewusster kritisch zu hinterfragen. Bereits zuvor habe ich mit den Schülerinnen und Schülern stereotypische oder überzeichnete Darstellungen von Kulturen und gesellschaftlichen Gruppen thematisiert; heute achte ich noch stärker darauf, solche Darstellungen aufzugreifen und ihnen die Vielfalt sprachlicher und kultureller Realitäten gegenüberzustellen.
Auch meine Bewertungspraxis reflektiere ich dadurch noch bewusster. Insbesondere hat sich für mich die Bedeutung einer vermeintlich «muttersprachlichen» Norm weiter relativiert. Bei der Beurteilung von Aussprache orientiere ich mich deshalb weniger an einer einzigen vorgegebenen Norm, sondern berücksichtige stärker die Vielfalt möglicher sprachlicher Normen und Ausdrucksweisen. Entscheidend ist für mich zunehmend, ob Kommunikation gelingt und die Schülerinnen und Schüler verständlich sind.
Erfahren Sie mehr zu den jeweiligen Themen der RING:
Padlet von Nina Hellinger als Pinwand oder Diashow
Das Padlet wurde von Nina Hellinger im Rahmen der Lehrveranstaltung von Giulia Berchio und Raphael Berthelé «Limes [‘li:mes] Grenzen und Grenzüberschreitungen beim Sprachenlernen » entwickelt.
Über die Autorin
Nina Hellinger arbeitet seit Sommer 2021 als Klassenlehrerin auf der Sekundarstufe I und unterrichtet Englisch, Französisch, Deutsch und Wirtschaft, Arbeit, Haushalt (WAH). Gleichzeitig studiert sie seit Herbst 2025 Fremdsprachendidaktik am Institut für Mehrsprachigkeit der Universität Freiburg (CH).
In Studium und Unterricht interessiert sie sich insbesondere dafür, wie Sprachenlernen mit Mehrsprachigkeit, Identität, sprachlichen Normen und unterschiedlichen Lernvoraussetzungen verbunden ist.
Rédaction CeDiLE: Carlos Pestana
(Re-) Découvrez l’nterview avec Katja Schlatter sur le feed-back correctif:
